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Wie sieht die Zukunft der Kirche aus?

 

Am 9. Oktober war Dr. Fritz Hasselhorn aus Sulingen, Mitglied der Landessynode und Vorsitzender des Schwerpunkteausschusses, zu Gast in Wietze. Anlass war ein Treffen der regionalen Kirchenvorstände aus Winsen, Wietze, Oldau-Ovelgönne und Hambühren. Wir sprachen mit Fritz Hasselhorn am Rande des Treffens.

Herr Hasselhorn, welche Überschrift geben Sie Ihren Überlegungen, wie die Landeskirche die Zukunft der Kirche sieht?

Als erstes steht natürlich eine Einsicht, die jeder Landeskirche gut zu Gesicht steht. Sie lautet: Nicht wir tragen die Kirche, sondern Jesus Christus. Als Zweites reift in der Landeskirche die Einsicht, dass eine Vereinheitlichung kirchlicher Arbeit nicht mehr bezahlbar ist. Das macht einigen Sorgen – andere sehen darin aber auch eine Chance.

Das müssen Sie unseren Lesern etwas genauer erläutern.

Ich meine mit Vereinheitlichung einen Standard, an den wir uns in der Kirche seit dem Ende des 2. Weltkrieges gewöhnt haben. Überall gibt es Gemeindehäuser, Kirchen, Pfarrhäuser, jede Gemeinde bekommt Geld für nebenamtliche Stellen, ob Kirchen-musikerinnen, Küster oder Sekretärinnen, und in jeder Gemeinde gibt es die verschiedensten Gemeindegruppen. Wenn diese Form vereinheitlichter Kirchlichkeit nicht mehr bezahlbar ist, dann heißt das auf der anderen Seite, dass zukünftig die Kirche so sein wird, wie die Menschen in der Region es wollen.

Sie glauben also an die Chancen, die in dieser Entwicklung liegen?

Ja, unbedingt. Und ich stehe damit nicht allein. Bereits die Kirchenverfassung von 1922 hat den Kirchenvorstand als geistliche Leitung der Gemeinde angesehen. Dass aufgrund der Erfahrung der NS-Zeit die Verfassung von 1945/46 die Einflussmöglichkeiten des Kirchenvolkes beschränkt hat, muss ja nicht so bleiben. Partizipation und Transparenz sind in den letzten Jahren immer wichtiger geworden – das lässt sich im Grunde auch nicht mehr umdrehen.

Allerdings fällt das in eine Zeit, in der die gemeindlichen Möglichkei-

ten beschnitten oder zurückgedrängt werden. Ist das kein Widerspruch?

Auf der einen Seite haben Sie recht – In den letzten Jahren sind viele Verantwortlichkeiten auf die Kirchenkreise delegiert worden; im Grunde ohne ausreichende Absicherung durch die Verfassung.  Deshalb wird in der Landeskirche intensiv darüber diskutiert, ob und wie die Verfassung dieser Entwicklung angepasst werden muss. Das Handeln der Kirchenkreise braucht eine verfassungsrechtliche Absicherung.

Zu Lasten der Gemeinden?

Nein, das muss nicht so sein – wobei ich die Gefahr an dieser Stelle durchaus sehe. Aber ich hoffe, wir finden einen gangbaren und brauchbaren Kompromiss.

Sie sagten, auf der einen Seite…

Ja, auf der anderen Seite gibt es doch Beispiele, dass die Gemeinden eigene Möglichkeiten behalten, die sie nur nützen müssen. Die Diskussion um die Trägerschaft der Kindergärten ist da ein gutes Beispiel. Ganz bewusst hat die Synode nicht gesagt: alle müssen jetzt zum Kirchenkreis. Die Synode hat nur gesagt: wir sind der Meinung, es müssen größere Verbünde gebildet werden. Und was da jeweils da oder dort richtig ist, können Gemeinden untereinander aushandeln und entscheiden. Das Gefühl, die Gemeinden werden zunehmend durch die Kirchenkreise bestimmt, hat auch eine Kehrseite: Die Gemeinden wissen ihre Möglichkeiten oft nicht. Dass einige Kirchenkreis so tun, als gäbe es zu ihrem Handeln keine Alternative, ist zwar nicht schön, aber die Gemeinden müssen das ja nicht mitmachen.

Nun gut, damit haben Sie die strukturellen Chancen beleuchtet. Wie sieht es denn personell aus? Mit welchem Personal werden die Gemeinden diese Chancen in Zukunft aufgreifen?

Die Landeskirche geht davon aus, dass die Zahl der zu besetzenden Pfarrstellen bereits ab 2016 größer sein wird als die Zahl der PastorInnen. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen, wird die Schere hier noch mehr auseinandergehen Und da ich nicht daran zweifle, dass die Sogwirkung der Städte und Mittelzentren anhält, ja sogar zunehmen wird, wird dieser Mangel die ländlichen Gegenden stärker treffen. Aus meiner Sicht gibt es zu der Regionalisierung gerade in diesen Gegenden keine Alternative. Trotz des Wissens darum, dass bei einer Fusion von Kirchengemeinden ein Verlust von 30 % der Ehrenamtlichen wahrscheinlich ist. Flankierend wird die Landeskirche Hilfen anbieten: Seiteneinsteiger sollen gefördert werden, die Nachwuchsförderung wird zwar nicht sofort aber mittelfristig Entlastung bringen. Und die funktionalen Stellen werden deutlicher als im Moment zurückgefahren werden müssen.

In der Summe heißt das: es gibt immer mehr zu tun mit immer weniger Personal.

Wir führen in der Synode eine Debatte darüber, welche Instrumentarien angebracht und zielführend sind, die Arbeitsverdichtung der Pastoren zurückzufahren. Diese Verdichtung hat zugenommen, keine Frage – und sie wird so nicht bleiben können, das ist auch keine Frage. Auf die Gemeinden kommt eine große Aufgabe zu – ja, auf die Kirche insgesamt: den Übergang vom Überfluss zu Zeiten des Mangels engagiert, selbstbewusst und fair zu gestalten.

(Das Interview führte P. Riemann, Winsen)

 

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